Wildbienen – vom Aussterben bedroht

Wenn es um Bienensterben geht, steht oft die bekannte Honigbiene als Blütenbestäuber im Vordergrund. Hier handelt es sich aber um eine hochgezüchtete Rasse, die es in der freien Natur gar nicht gibt. Leider verdrängt sie teilweise ihre wilden Schwestern, die Wildbienen. Zu diesen zählen Hummeln, Pelzbienen, Mauerbienen, Hosenbienen.

Insgesamt gibt es 560 Wildbienenarten in Deutschland, deren Großteil schon auf der roten Liste steht. Ihr Verlust wäre aus ökologischer Sicht viel schwerwiegender als „nur“ das Aussterben der Honigbienen. 2013 fanden Forscher:innen heraus, dass Pflanzen, die von Wildbienen besucht wurden, doppelt so viele Fruchtansätze hervorbringen wie diejenigen, die von Honigbienen beehrt wurden.

Oftmals sind Wildbienen so winzig, dass wir sie gar nicht wahrnehmen. Anders als Honigbienen leben Wildbienen nicht im Staat, sondern allein, und werden deshalb auch „Einsiedlerbienen“ genannt. Angst vor ihrem Stachel braucht man übrigens in den meisten Fällen nicht zu haben: Er ist oftmals so winzig, dass er nicht mal durch unsere Haut dringt.

Bienen, Bienensterben

6 Tipps für den Erhalt der Wildbienen

Können wir den (Wild-)Bienen denn überhaupt helfen? Bringt es eigentlich was, auf dem Balkon, Fensterbrett, auf der Terrasse oder im Fahrradkorb Blumen für die Tierchen bereit zu stellen?

Ja. Jährlich verschwinden riesige Flächen in Deutschland unter Asphalt, Spitzenreiter im Bauen ist Bayern: Fast fünfzig Quadratkilometer zerstört das Bundesland jährlich – die Fläche entspricht der des Ammersees. Es hilft also, jeden Quadratzentimeter, der einem persönlich zur Verfügung steht, mit insektenfreundlichen Pflanzen zuzugrünen anstatt zuzupflastern.

Worauf man bei der Auswahl und Pflege der Pflanzen generell achten muss, haben wir hier aufgelistet:

  1. Chemiefreie Pflanzen kaufen
    Insektizide machen Bienen orientierungslos und kommunikationsunfähig. Darum kauft man nur Pflanzen für Garten oder Balkon, die ohne Chemie aufgewachsen sind. Wenn man seine Pflanzen selbst aussät, weiß man also genau, dass man einen bienenfreundlichen Balkon beziehungsweise Garten hat. Unerwünschte Insekten hält man nicht mit Pestiziden, sondern Mischkulturen fern.
  2. Gezielt „bienenfreundliche“ Pflanzen aussäen oder kaufen
    Pflegeleichte und nahrhafte Beispiele sind Zitronenmelisse oder Sonnenhut. Insgesamt sind alle Kräuter insektenfreundlich – lass deswegen gerne deinen Thymian oder Schnittlauch blühen. Kinder kann man übrigens mit unserem Kinderbuch Emi Brillenbiene an das Thema „Garten“ heranführen.
  3. Nicht zu früh mähen
    Wer es ernst meint mit dem Artenschutz, mäht immer nur einen Teil der Wiese und das auch nicht vor Juni. So können die Wildbienen, die teilweise nur drei oder vier Wochen leben, auch dann Nahrung finden, wenn sie gerade ihre kurze Lebensdauer antreten. Außerdem können Wildkräuter nur dann wachsen und Samen bilden, wenn sie nicht gleich wieder vom Mähroboter gestutzt werden. Zwei Mal im Jahr den Garten mähren reicht aus – so profitieren Insekten, Blumen und du selbst am meisten davon. Denn du sparst dir natürlich auch eine lästige Gartenarbeit, wenn du den Rasenmäher nicht alle zwei Wochen rausholen musst.
  4. Einfach mal im Garten faul sein
    Apropos lästige Arbeit: Wenig gießen, kein Düngen, alte Baumstämme und abgebrochene Äste stehen und liegen lassen und nur ein bis zwei Mal im Jahr den Rasen mähen – klingt zu schön, um wahr zu sein? Von wegen! Wer weniger im Garten macht, ist nicht faul, sondern schlau. All die ungenutzten Flächen können von Tieren besiedelt werden. So schaffst du Lebensräume für Nützlinge wie Insekten, aber natürlich auch Vögel, Igel und Haselmaus. Diese Mitbewohner halten deine Schädlinge in Schach, die sich sonst so genüsslich über ein Gemüsebeet hermachen …
  5. Honig vom lokalen Imker kaufen
    Beim Thema Honig scheiden sich oft die Geister. Fest steht: Wenn überhaupt, solltest du Honig vom lokalen Imker kaufen. Bis zu 70–80 Prozent des konsumierten Honigs in Deutschland stammen bisher aus Importen, vor allem aus Lateinamerika, Spanien, Bulgarien und China. Den einheimischen Honig gibt es wegen der geringen Liefermengen nur selten im Supermarkt. Du kannst jedoch den Honig oft direkt am Hof der Imker kaufen, auf Wochenmärkten oder bei kleinen Lebensmittelhändlern wie Bäckereien. Für Heuschnupfengeplagte vielleicht ganz interessant: Jeden Tag ein Teelöffel Pollenhonig aus der Region verringert die Schnupf-und-Schnief-Anfälle, da man mit der geringen Menge Honig seinen Körper langsam an die Pollen gewöhnt.
  6. Aktiv Lebensräume bieten
    Bienenhotels lassen sich ganz einfach aus alten Holzscheiben oder kleinen Pappröhren bauen. Was dabei zu beachten ist, kannst du auf der Seite des Nabus nachlesen.

Artensterben

Der arme Eisbär, der auf einer kleinen, schmelzenden Eisscholle steht. Der süße Orang-Utan, der sich auf den letzten ihm verbleibenden Bäumen festhält, weil wir ihm mit unserem Bedarf an Palmöl den Lebensraum streitig machen. Beim Thema Artensterben denken wir oft sofort an die typischen Bilder. Und irgendwie ist alles so weit weg und komplex. Und wir können doch eh nicht viel ändern.

Pusteblume!

Du kannst was gegen das Artensterben tun, sofort und direkt bei dir vor Ort. Und so im Kleinen etwas verändern. Und was? Das kannst du gleich nachlesen:

Altes Saatgut anbauen

Ein bunter Strauß voller Wildblumen. Mit dem Aussäen verschiedener Sorten kann man leicht die Artenvielfalt im eigenen Garten fördern.
Schafgarbe, Ackerwitwenblume usw.: Wilde Blumen tun dem Auge gut, fördern die Artenvielfalt und bieten Wildbienen und anderen Insekten Nahrung.

Durch die Wahl der Blumenerde Arten schützen

Blumenerde enthält oft Torf, für den wertvolle Moore zerstört werden. Dadurch wird der Lebensraum von seltenen Pflanzen- und Tierarten vernichtet und große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Moore bedecken nur drei Prozent der globalen Landfläche, aber speichern 30 Prozent des terrestrischen Kohlenstoffs. Mit dem Abbau von Torf werden riesige Mengen an Treibhausgasen freigesetzt und beschleunigen den Klimawandel. Achte beim Kauf deiner Blumenerde deshalb darauf, dass diese ohne Torf ist, oder kaufe sie von regionalen Kompostwerken bzw. kompostiere am besten einfach selbst, wenn du die Möglichkeit dazu hast.

Durch deinen Einkauf ein Zeichen setzen

Dein Einkauf ist wie ein täglicher Stimmzettel für den Erhalt der Bio-Diversität. 98 % der heutigen Biomasse bestehen aus Menschen und den für die Lebensmittelproduktion gezüchteten Tieren, was eine enorme Verdrängung von Wildtieren und Insekten bedeutet. Eine Langzeitstudie zeigt, dass die Biomasse der Fluginsekten und damit oftmals der Bestäuber um 75 Prozent zurückgegangen ist. Bei einem Totalverlust an Bestäubern müsste man Schätzungen zufolge mit Ernteeinbrüchen um bis zu 90 Prozent rechnen. Massentierhaltung, die industrielle Landwirtschaft und mangelnder Lebensraum in den Städten stellen damit eine der Hauptursachen für Artensterben und Lebensraumzerstörung dar. Eine Ernährung durch überwiegend pflanzliche, biologisch angebaute Lebensmittel aus deiner Region hat eine enorme Auswirkung auf den Erhalt von Bio-Diversität.

Quellen:

www.egarden.de

www.zeit.de

www.deutschland-summt.de

www.cowspiracy.com

www.nabu.de

https://www.nabu.de (Moorschutz)

https://www.zerowastefamilie.de/